Unterschichtler kommen seltener auf das Gymnasium

Eine Studie bestätigte: Kinder aus sozialen Unterschichten bekommen bei gleichen Noten seltener eine Empfehlung für das Gymnasium!

Ha, das ist ja mal ein gefundenes Fressen für die Idealistin in mir: Tatsächlich bekommen Kinder aus Akademiker-Familien fast imme eine Empfehlung für das Gymnasium, währenddessen Kindern bei denselben guten Noten empfohlen wird, auf eine andere Schule zu gehen.

Als ich das gelesen habe, musste ich erst einmal tief Luft holen. Es gibt viele transparente Indizien dafür, dass unsere Gesellschaft immer mehr Richtung Klassifizierung driftet, dass die Schere zwischen ,,arm und reich“ immer weiter auseinander reißt und jeder nickt immer eifrig mit dem Kopf, wenn es heißt, dagegen müssen wir etwas unternehmen.

Aber die Realität sieht wohl anders aus. Ich frage mich, was in einem Lehrer vorgeht, der sich so verhält? Fühlt er sich unter Druck gesetzt? Oder ist es ein unbewusstes Kollektivdenken, dass ein Kind aus einer Akademiker-Familie gezwungenermaßen schon klüger ist als dasjenige, welches vom Bauarbeiter stammt? Sind die Schubladen in unseren Köpfen derart mächtig, dass wir dem Kind gar keine Chance geben?

Meiner Meinung nach gehören diese Empfehlungen sofort verboten. Denn ich finde, die Kinder sollten selbst entscheiden, welche Schule sie besuchen möchte – natürlich mit den Eltern zusammen. Mein (alleinerziehender) Vater hat es genauso gehandhabt: Er las sich die Empfehlung stirnrunzelnd durch und meinte nur, dass ich das selber wissen muss. Und ich wusste es selber, absolvierte erst meinen Realschulabschluss und ging dann weiter auf das technische Gymnasium. Das war der richtige Weg für mich und auf diesem wurden mir auch von meiner Lehrerin noch in der zehnten Klasse empfohlen, doch lieber eine Ausbildung zu machen, denn ,,Abitur, das ist doch nichts für mich“. Na, vielen Dank auch, habe ich gedacht und: Jetzt erst Recht! Übrigens lag es bei mir daran, dass ich kein ,,familäres Fundament“ besäße, da ich mit meinem Vater alleine lebte. War natürlich Quatsch.

Ich finde es traurig, wie mit dem Schicksal von Kindern aus den sogenannten ,,Unterschichten“ umgegangen wird. Wie über einem klugen Kopf die Schere zuschnappt, nur, weil das Budget der Eltern nicht stimmt. Und unter all diesem oberflächlichen Denken, schwimmt die Erkenntnis, dass wir immer weiter in Unter- und Oberschichten einteilen, dass wir jemanden nach seinem Bildungsstand und seinem Gehalt bewerten, nicht nach seiner liebenswürdigen Art, seinem tollen Humor oder seinem handwerklichen Talent. Dieser Skandal war mal wieder der absolute Beweis dafür.

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