Sudbury: Demokratie in der Schule bald auch in Deutschland?

Nach der Waldorf- Schule und der Montessori- Schule, geht es heute um ein neues Konzept: Die Sudbury- Schule.

Das Konzept stammt aus den USA und ist knapp 40 Jahre alt. Dort gründeten 1968 eine Handvoll Visionäre die Sudbury Valley School. Die Schule ist streng demokratisch gegliedert: Die Schüler, Alter 4 bis 19 Jahre, entscheiden, wann und in welchem Fach sie unterrichtet werden wollen. Klassen gibt es keine. Der Schüler sucht sich den Stoff selbst aus.

Einmal im Jahr findet eine Schulversammlung statt, auf der jeder Schüler eine Stimme hat. Auf dieser dürfen die Eltern mitbestimmen. Somit liegen neben den Lehrinhalten auch die Entscheidungen darüber, welcher Lehrer eingestellt oder gefeuert werden soll, zum Großteil in den Händen der Lernenden.

Die Sudbury Valley School in Framingham, Massachusetts, USA hat weltweit Nachahmer gefunden.

Diese nennen sich „Sudbury- Schulen“ und orientieren sich am Modell des Originals. Ein derartiges Konzept wäre für Deutschland undenkbar?

Weit gefehlt: Es gibt Initiativen für die Eröffnung von Sudbury Schulen in mittlerweile sechs großen Städten, darunter Berlin, Leipzig und München. Wer sich weiter informieren möchte, kann das auf der deutschen Sudbury Homepage tun.

Zuerst stellt sich natürlich die Frage nach den Vor- und Nachteilen eines solchen Schulsystems in Deutschland. Positiv wäre sicherlich, dass das jahrelange Büffeln von Stoff, den man hinterher im Leben nie wieder benötigt, wegfiele. Auch das gerade an deutschen Schulen extrem auffällige Problem, dass viele Lehrer erstens zu alt und zweitens zu faul sind, weil sie nicht wirklich gefeuert werden können, würde hier nicht auftreten.

Wer sollte eine Benotung von Lehrern besser durchführen können als die Schüler selbst? Zudem würde in der Finanzierung sicherlich weniger Geld für Prestige- Projekte ausgegeben, und mehr auf Wünsche der Schüler eingegangen.

Alle diese Punkte ziehen jedoch auch ein mögliches Negativ- Ergebnis nach sich. So kann ein junger Mensch schwerlich wissen, welche Art von Stoff er im Leben einmal brauchen wird. Eine generelle Entschlackung dessen, was in Deutschland als „Allgemeinbildung“ angesehen wird, wäre vielleicht sinnvoller, als die Entscheidung dem Schüler zu überlassen.

Weiterhin würde das System vor allem junge Lehrer bevorzugen, ältere und strengere Lehrer bekämen über kurz oder lang ihren Rausschmiss präsentiert.

Zur Förderung von Schulen nach Schülerwünschen ist zu sagen, dass ich mir schwerlich eine Gruppe von Teenagern vorstellen kann, die konsequent sinnvolle Entscheidungen über Geldanlagen trifft.

So ist die Schulgründung nach dem Sudbury- Konzept sicherlich ein umstrittenes Thema, interessant ist es auf jeden Fall. Ob man seine Kinder aber auf so eine Schule schicken würde, ist fraglich.

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