Studentenbaby

Zwar schon länger her, aber immer noch gut: In Hamburg dachten sich Studenten eine besonders provokante Art der Demonstration aus und gründeten das sogenannte ,,Studentenbaby“.

Da lag ein himmelblauer Flyer in meinem Fahrradkorb mit einem süßen Kleinkind bedruckt. Die Information auf dem Blatt war nur dürftig: Da war von Babys die Rede, Studentengebühren und Studentinnen, die helfen wollen. Aha. Ein Klick auf die damalige Webseite eröffnete: Für 500 Euro, also die Gebühren für ein Studien-Semester, würde eine Studentin nach Wahl als Leihmama fungieren.

Klingt schockierend? Das war es damals auch. Natürlich alles nur eine Farce, schamlos zwar, aber gut. Und vor allen Dingen: provokant. Innerhalb weniger Wochen entbrannten heiße Diskussionen im Gästebuch, da meldeten sich gekränkte Frauen, die keine Kinder bekommen können, in ihrer Eitelkeit verletzten Männer, aber noch viel mehr begeisterte Studenten, die verbal ihren Daumen hochhielten.

Die anonymen Gründer haben da wohl einen wunden Punkt unserer Gesellschaft getroffen: Die Studiengebühren!
Ich selber war beeindruckt von der gespielten Seriösität, die die Leute an den Tag gelegt haben und mit welcher Überzeugung sie an diese sehr spezielle Art von Demonstration rangegangen sind: Flyer drucken, Radiowerbung, Mundpropaganda und eine wirklich gut gemachte Webseite.
Und noch dazu ist das ganze Szenerario nicht weit her geholt: In den USA ist es schon lange ,,üblich“, dass sich junge Mädels auf dem Strich verkaufen, um ihre Studiengebühren zahlen zu können.
Ich persönlich vertrete seit jeher die Ansicht, dass Bildung nicht zu einem Privileg der ,,höheren Schicht“ werden sollte, sondern ein Grundrecht ist – kein Konsumgut!

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.