Schulreform in Hamburg gescheitert – Wie geht es weiter?

Die geplante schwarz-grüne Schulreform in Hamburg ist am letzten Sonntagabend durch einen Volksentscheid gescheitert. Doch wie geht es nun weiter?

Die Schulreform in Hamburg wurde von der schwarz-grünen Koalitionsregierung im April 2008 in einem Koalitionsvertrag ausgehandelt und im Oktober 2009 durch die Hamburgische Bürgerschaft beschlossen.

Die Schulreform in Hamburg – Die geplanten Neuerungen

Es war ab August 2010 geplant die Haupt-, Real- und Gesamtschulen abzuschaffen und nur noch zwei weiterführende Schulen, das Gymnasium und die Stadtteilschule, den Schülern anzubieten. Außerdem sollte die Grundschule von vier Schuljahre auf sechs Schuljahre verlängert werden und das Elternwahlrecht abgeschafft werden. Das heißt, eine Zeugniskonferenz nach der 6.Klasse sollte darüber entscheiden, ob ein Kind auf die Stadtteilschule oder das Gymnasium geht und die Schulwahl sollte demnach nach Qualifikation und Leistung getroffen werden.

Weitere Punkte der Schulreform in Hamburg:

  • Englisch ab der ersten Klasse
  • Verringerung der Personenanzahl in den Klassen (in sozial benachteiligten Stadtteilen 19 Schüler pro Klasse, auf den Stadtteilschulen max. 25 Schüler und ab Klasse 11 nur noch 22 Schüler, auf den Gymnasien max. 28 Schüler pro Klasse und ab der 11. Klasse nur noch 22 Schüler
  • Zusammenarbeit der Primarschulen und weiterführenden Schulen (Austausch von Fachlehrern und Räumlichkeiten)

Warum die Schulreform in Hamburg scheiterte

Die Befürworter der Schulreform in Hamburg sahen darin eine Chancengleichheit für jeden Schüler. Denn die Primarschule bildet die Grundlagen für die weiterführenden Schulen und deshalb ist es für sie wichtig die Zeit zu verlängern, um den Reifeprozess der Kinder zu stärken. Außerdem sind sie der Meinung, dass viele Kinder viel zu früh auf die falsche weiterführende Schule von ihren Eltern geschickt werden.

Die Reformgegner, die Bürgerinitiative „Wir wollen lernen!“, argumentierten vor allem damit, dass sie keine Erfahrungswerte für diese Schulform vorliegen haben und ihre Kinder als Versuchskaninchen von der Politik missbraucht werden. Weiterhin meinten Sie, dass das Leistungsniveau in den Klassen sinken wird, da es in einer Primarschule nicht die gleiche fachliche Förderung gibt wie an den weiterführenden Schulen.

Am 18. Juli 2010 war es dann endlich soweit, der Volksentscheid stand vor der Tür. 276.304 Bürger   sprachen sich gegen die Reform aus und 218.065  waren für die Einführung einer Primarschule. Ein klarer Sieg der Bürgerinitiative.

Wie geht es mit der Bildungspolitik in Hamburg weiter?

Die schwarz-grüne Koalition war sich anscheinend zu sicher den Volksentscheid zu gewinnen. Denn der Prozess aus den Grundschulen Primarschulen zu machen, war schon so gut wie abgeschlossen. Außerdem hatten sich 23 Starterschulen dazu entschlossen Primarschulen zu werden. Dieser Prozess muss nun von der Schulbehörde gestoppt werden. Sie sollen als Versuchsschulen weiter machen, um Erfahrungswerte zu sammeln.

Die Hamburger Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) macht trotz der Niederlage beim Volksentscheid über die Schulreform weiter und will die Bildungspolitik in Hamburg grundlegend sanieren:

  • Die Klassenstärke in der Primarstufe soll auf 23 Schüler reduziert werden.
  • Einführung der Stadtteilschulen und Abschaffung Haupt- und Realschulen und Gesamtschulen
  • Eltern können nach der vierten  Klasse entscheiden, ob das Kind auf eine Stadtteilschule oder das Gynasium geht. Nach der 6.Klasse gibt es jedoch weiterhin eine Zeugniskonferenz, die darüber entscheidet, ob das Kind auf dem Gymnasium bleiben darf.

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