Schulnoten abschaffen – eine Maßnahme zur Verbesserung schulischer Leistungen?

Schulnoten abzuschaffen wäre für viele Schüler ein wahrer Segen, aber stellt es wirklich eine sinnvolle Maßnahme dar? Um die miserablen Pisa-Ergebnisse deutscher Schulen aufzuwerten, fordern mittlerweile sogar einige Professoren die Abschaffung der Schulnoten und ein radikales Absenken des Leistungsniveaus.

Schulnoten können unterschiedliche Wirkungen haben. Schüler, die sich nicht allzu schwer tun, freuen sich über die Belohnung, die sie durch die Benotung einer Arbeit bekommen. Andere wiederum bekommen regelrecht Schweißausbrüche oder sind einfach nur zu faul zum Lernen, so dass die Benotung seitens der Lehrer schlecht ausfällt.

Zensuren behindern das Lernen?

Es gibt zahlreiche Argumentationen, vor allem seitens der Schüler selbst, die für das Abschaffen von Schulnoten plädieren. Eine davon betrifft die These, Zensuren würden das Lernen behindern.

Diese Aussage trifft natürlich nicht auf die fleißigen und strebsamen Schüler zu, sondern auf solche, bei denen das Lernen keine Früchte trägt. Eine besondere Rolle spielen dabei die familiären Ansprüche. Wenn ein Kind seitens der Eltern schulischen Druck erfährt, kann dies zu einer Resignation führen, erst recht, wenn das Kind prinzipiell eher durchschnittlich abschneidet.

Viel Aufwand für ein gerade mal mäßiges Ergebnis kann dauerhaft an dem Stolz und der Lernbereitschaft des Schülers kratzen. Wichtig ist dabei, dass Eltern den Druck verringern, gleichzeitig jedoch ihren Nachwuchs bestärken, weiterhin am Ball zu bleiben.

Zensuren haben wenig Aussagekraft über die tatsächlichen Fähigkeiten?

Zensuren zu vergeben obliegt den Lehrern. Natürlich kann man Einwände bei einer gefühlten, ungerechten Behandlung erheben, ob diese natürlich auf offene Ohren stoßen, ist eine andere Sache.
Eine Lehrerbenotung ist immer subjektiv und wird auf Kritik seitens des Betroffenen oder der Mitschüler stoßen.

Zudem ist nicht jeder Schüler eine Plaudertasche und beteiligt sich aktiv am Unterricht. Gerade in der Pubertät ziehen sich viele Jugendliche zurück und resignieren, so dass die Beteiligung auf Null geht. Dies sagt jedoch nicht aus, dass sie die Frage nicht beantworten könnten.

Andere Kinder sind von vorne herein eher ruhiger und nehmen sich im Mündlichen sehr zurück, schreiben jedoch die besten Klassenarbeiten. Eine negative Bewertung ist daher eigentlich unfair, zumal sie die Antwort vermutlich kennen, sich jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht trauen, diese auch der Klasse mitzuteilen.

Zensuren als Machtinstrument der Lehrer?

Ebenso wie die mündlichen Noten ist auch das Konzept einer Klassenarbeit sowie die Strukturierung des Unterrichts und die Art der Lehrmethoden in der Hand des Lehrers und somit subjektiv. Nicht umsonst gibt es Lieblingslehrer, die von fast allen Schülern gemocht und akzeptiert werden. Diese Lehrkörper haben den ‚Dreh raus‘.

Da sich jedoch nicht jeder als Autoritätsperson eignet, um Schülern etwas beizubringen, findet man leider immer wieder ungerechte Behandlungen in Sachen Noten und im sozialen Umgang. Kein Lehrer kann sich davon frei sprechen, einen Lieblingsschüler zu haben. Allerdings sollte man sehr vorsichtig sein, dies auch ganz deutlich zu zeigen, denn prinzipiell sind alle gleich zu behandeln.

Zensuren dienen der Auslesefunktion?

Lehrer merken oft sehr schnell, welche Schüler sich anstrengen und dementsprechend Noten bekommen. Allerdings urteilt man manchmal ein wenig vorschnell und wird blind für sogenannte Blender oder verborgene Talente. Im schlimmsten Fall herrscht sogar unter dem Deckmantel der Objektivität eine gewisse Willkür.

Nur weil man vielleicht den Bruder oder die Schwester des Schülers bereits im Unterricht hatte, kann man die beiden nicht über einen Kamm scheren. Jedes Kind ist unterschiedlich. Natürlich gibt es die hoffnungslosen Fälle, bei denen man sich noch so bemüht, die Ratschläge jedoch keine Früchte tragen, aber als Faustregel sollte gelten: Jedes Kind ist erstmal die Mühe wert.

Schuld hat das Schulsystem?

Natürlich krankt das System an den schulischen Bedingungen wie zum Beispiel Lehrermangel bei einem Schülerüberfluss. Auch ist es nicht einfach, jedem Schüler die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, denn manche fordern Lehrer mehr als andere. Zudem ist die Tagesform nicht immer gleich, so dass selbst der Beste mal Fehler macht.

All diese Faktoren tragen dazu bei, dass Zensuren und Bewertungen oftmals subjektiv wahrgenommen und vergeben werden. Trotz allem weisen Noten auch den Weg, den die Schüler später vielleicht mal einschlagen werden. Schließlich bringt es keinem Kind etwas, wenn es sich auf dem Gymnasium quält, obwohl es vielleicht besser auf der Realschule aufgehoben wäre.

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