Schulabbrecher bekommen zweite Chance auf Schlussabschluss

,,Recht auf Hauptschulabschluss“ – dieses vielleicht in Kraft tretende Gesetz könnte für viele eine zweite Chance bedeuten.

Auch ich habe gern einmal den öden Wahlpflichtkurs gegen eine Stunde in der Eisdiele ,,eingetauscht“ – viele Stunden habe ich dort mit meiner besten Freundin quatschend und Eiskaffee trinkend verbracht, natürlich wurde ich dabei auch mal erwischt, aber im Großen und Ganzen kann wohl jeder seine kleine Pointe zum Thema ,,Schule schwänzen“ beitragen.

Doch so harmlos ist dieses Thema leider nicht. Ich habe damals nicht meinen Abschluss riskiert, sondern für mich waren das eher kleine pupertärende Nervenkitzelabenteuer. Aber ein Bekannter damals schwänzte beispielsweise ein ganzes halbes Jahr aus purer Gleichgültigkeit die Schule! Er schaffte seinen Abschluss natürlich nicht, was er heute bitterlich bereut.

Insbesondere in der Pupertät verfällt ein Jugendlicher schnell mal in die ,,Mir-doch-egal“-Schiene und kann von diesen Vergleisungen nicht mehr so schnell abweichen. Morgens klingelt der Wecker und er bleibt einfach liegen, wenn sich ohnehin niemand richtig kümmert. Keine Frage, dass diese Problematik besonders diejenigen Familien trifft, die eher lose Wohngemeinschaften bilden und dem Familiending eher eine leere Worthülse zusprechen.

Doch was dem Fünfzehnjährigen egal ist, kann in fünf Jahren ganz anders aussehen. Zwanzig Jahre alt und aus der Pupertät erwachend, schüttelt er sich ein wenig und stellt fest: Keine Perspektive und die Gleise führen nur in Richtung gesellschaftliches Abstellgleis. Das Arbeitsamt lotst einen von einem miesen Ein-Euro-Job zum nächsten und der Frust wird immer größer, bis er schließlich kaum auszuhalten mit etlichen Bierdosen betäubt wird. Ich weiß, ich weiß, ich treibe es mit meinen Provokationen heute mal wieder bis an die Spitze 😉 , aber es ist nunmal einfach ein Problem. Und diesen Menschen muss geholfen werden!

Daher jetzt die Idee mit dem Rechtsanspruch auf den Hauptschulabschluss. Womit nicht der Wisch an sich gemeint ist, sondern die absolut gewährleistete Unterstützung auf dem Weg zum Absolvieren des Abschlusses. Das Grundgerüst des Gedanken finde ich super, sollte jedoch noch ein wenig ,,ausgetüftelt“ werden, denn: Auch ein Hauptschulabschluss führt heutzutage leider nicht mehr zum Ausbildungsbetrieb. Meistens wollen die nämlich lieber den Realschulabsolventen haben, ganz einfach aus dem Grund, dass unsere Hauptschulen einen ganz miesen Ruf haben, dem man zu allererst entgegen arbeiten sollte.
Das neue Recht wäre also nur der Versuch, das Pferd von hinten aufzusatteln, denn wenn die Perspektiven eines Hauptschülers erst einmal besser sind, so würde sich das Schulschwänzproblem auch viel eher erübrigen. Und um dieses Problem in den Griff zu bekommen, bietet sich die Struktur der Gesamtschule an, die ja auch immer weiter in Deutschland um sich greift.

Ein sehr komplexes Thema also, wie ich finde, und immer wieder diskussionswürdig 😉 .

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