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Schreiben als Beruf: zu Henri-Nannen-Schule trotz Medienkrise?

Wer öfter das Impressum überfliegt, kennt diese Namen: Von Blumencron – Chefredakteur beim SPIEGEL. Christoph Keese – Chefredakteur der Financial Times Deutschland. Peter Kloeppel – Chefredekteur bei RTL. Sie alle sind Absolventen der renommierten Henri-Nannen-Schule für Journalisten.

Die Henri-Nannen-Schule bietet eine sehr solide Ausbildung. Wer mindestens 19 Jahre alt ist, perfektes Deutsch spricht, bereits Interesse an Medien vorweisen kann und sich eine Zukunft als Journalist vorstellen kann, war hier bisher gut aufgehoben. Ein Studium ist keine Zugangsvoraussetzung. Vielleicht ein Bewerbungstipp, denn immer weniger Abiturienten wollen studieren.

Die Auszubildenden verbringen mehr Zeit in Praktika als in Seminaren; im hauseigenen AV-Studio, das den Bedürfnissen der Branche angepasst wurde, erlernen sie jede Textsorte und jedes Medienformat.

Das Verlagshaus Gruner + Jahr beschreibt seinen Wunschkandidaten so: „Wenn Sie Talent zum Schreiben haben und auf Menschen zugehen können; wenn Sie neugierig, kritisch, hartnäckig, belastbar und einfallsreich sind; wenn es Ihr leidenschaftlicher Wunsch ist, im Journalismus zu arbeiten und Sie (…) höchstens 27 Jahre sind, dann sollten Sie an unserem nächsten Auswahlverfahren teilnehmen.“

Henri-Nannen-Schule im Umbruch

Die Medienkrise zeigt Auswirkungen bis zu den Journalistenschulen. Arbeitsplätze in Medien und Presse gehören zu den am härtesten umkämpften. So wurde die Anzahl der Ausbildungsplätze auf 20 reduziert, und auch die Lehrgangsbeihilfe wurde auf rund 750 € gekürzt.

Die Leiterin der Schule, Ingrid Pohl, fürchtet um ihre Zukunft. Denn der größte Geldgeber, Gruner + Jahr, hat Modernisierungspläne. Die Schule soll an die Hamburg Media School angegliedert werden und die Ausbildung zukünftig als Masterstudium anbieten.

Nach der Pädagogik von Wolf Schneider

Dies käme einer Neugründung gleich, welche Gründer und erster Leiter der Henri-Nannen-Schule als einen Verrat der Tradition ansieht. Wolf Schneider ist heute 85 Jahre alt und noch als Lehrer an der Schule tätig. Er hatte die Schule damals, 1979, absichtlich antiakademisch gegründet. Ein Masterstudium würde nicht nur die Zugangsvoraussetzungen durcheinander bringen.

Der Mann hat interessante Standpunkte. An der Bildung von heute vermisst er das Auswendiglernen. Ein paar Fakten im Hinterkopf seien wichtig, um Dinge schnell einordnen zu können. Oder ein Gedicht, als Schnellvorlage für schönes Sprechen. Aus diesem Grund liegt ihm Allgemeinbildung am Herzen, denn dank ihr könne man Inhalte in Windeseile miteinander verknüpfen. Die jungen Leute redeten nur noch übereinander, nicht mehr über die Welt, moniert er in einem Online-Interview.

Guter Journalismus sei heute so wichtig wie noch nie, wo jeder Mensch Beliebiges über Blogs verbreiten kann. Klassisch ausgebildete Journalisten, die harte Fakten recherchieren und auftischen, brauche die Welt. Diese Ausbildung erhielt man an der Henri-Nannen-Schule bislang. Genau wie der klassische Print-Journalismus steht nun auch die Zukunft der Schule auf dem Spiel. Dabei kann Journalismus doch online stattfinden, das sieht auch Wolf Schneider so.

Wie Auszubildende die Schule erleben

Khuê Pham absolviert jetzt die 18-monatige Ausbildung. Bis spät abends sitzt sie mit ihren Mitschülern im Gebäude und schreibt Texte. Anstrengend sei es, aber Zeit für Partys finden sie noch, schreibt sie in ihrem Erfahrungsbericht.

Die Ausbildung ist hochkarätig. Trotzdem macht sich auch ein Nannen-Schüler Sorgen um seinen Job. Alexander Kühn ist so ein Nannen-Schüler. Er sagt sogar, er lerne dort in einer Woche mehr als in einem Semester Uni. Damit das so bleibt, haben die Auszubildenden den Vorstand Mitte November zu einem Imbiss mit anschließendem Gespräch eingeladen.

Bewerben trotz Krise?

Den Auszubildenden und der Leitung geht es um die Erhaltung einer Tradition, die sich bewährt hat. Wenn Schneider von Tradition spricht, meint er nämlich Qualität. Sein Credo, das er jedem Auszubildenden mitgibt: „Qualität kommt von Qual.“ Mit dem Aufbau und den Regeln von Masterstudiengängen bliebe wohl nur die Qual.

Vertraut man auf Schneiders Credo, bleibt etwas anderes: dass Qualität dort groß geschrieben wird. Dann böte sich eine Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule noch immer an.