Risikoschüler – die wahren Bildungsverlierer

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat ergeben, dass Risikoschüler in Deutschland, also Schüler, die in einem Alter von 15 Jahren gerade mal über die Sprach- und Rechenkenntnisse eines Grundschülers verfügen, den Staat über acht Jahrzehnte hoch gerechnet bis zu 2.800.000.000.000 Euro einbußen lassen könnten.

Risikoschüler, mehr als eine finanzielle Last

Risikoschüler, damit sind Kinder gemeint, die nach Maßstäben der Pisa Studie mit 15 Jahren nur schlecht oder kaum lesen und schreiben können und damit so schlecht ausgebildet sind, dass sie keine Ausbildung nach der Schule aufnehmen können. Das sind in Deutschland immerhin 20% der 15 Jährigen, die man hauptsächlich an Haupt- und Gesamtschulen findet. Hier liegen die Ergebnisse in der Schulbildung so schlecht, dass ca. die Hälfte bis drei Viertel der Schüler nachdem sie die Hauptschule verlassen, kaum berufliche, gesellschaftliche und kulturelle Handlungsfähigkeiten besitzen.
Da aber in Deutschland durch die fortschreitende Mechanisierung immer weniger Bedarf an ungelernten Arbeitern und Hilfskräften besteht, hat die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass sich die Regierung damit einen Wirtschaftswachstum von in den nächsten 80 Jahren bis zu 2.800.000.000.000 Euro verspielt und man deswegen lieber gleich in die Bildung investieren sollte.

Deutsches Schulsystem muss Risikoschüler besser fördern

Doch fraglich ist eine Studie, die weder auf die Schicksale der Betroffenen eingeht und sich einzig über den verlorenen Wirtschaftswachstum beklagt. Darüber hinaus stellt dich die Frage, wie sinnvoll eine Hochrechnung für die nächsten 80 Jahre ist, da dieser lange Zeitraum durch nicht einkalkulierbare Faktoren wie die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung kaum vorhersehbar ist.
Von bildungsschwachen Schülern als verstrichene Wirtschaftsinvestition zu reden, den so genannten Risikoschülern, grenzt schon fast an Diskriminierung. Denn häufig sind diese Schüler motiviert und haben durch fehlende Unterstützung z. B. durch die Eltern als (fehlende) Vorbilder einfach nicht die Fertigkeiten, eine zielstrebige Schulbildung zu verfolgen. Außerdem ist es fraglich, wie ein Schüler mit 15 Jahren überhaupt so lange versetzt werden kann, ohne dass man vorher auf die Lernprobleme aufmerksam wird. Dazu kommt die psychische Belastung und der Druck mit Hinblick auf die Zukunft, derer sich Risikoschüler meist bewusst sind. Um dem entgegen zu wirken, müsste sich das Schulsystem in Deutschland endlich ändern. Schulklassen müssten mehr Raum für individuelle Betreuung haben, die Schulformen durchgängiger sein und zusätzliche Bildungsangebote auf den Nachmittag, die Ferien und am Wochenende ausgedehnt werden. Die Schüler selbst scheinen sich dieser ungerechten Lage immer mehr bewusst zu werden, so schlossen sich auch viele Schulen den Studentenprotesten während der Bildungsstreiks Mitte November diesen Jahres an.

Mehr zu der Studie der Bertelsmann Stiftung gibt es hier