Nach der Grundschule wird selektiert: Haupt-, Realschule oder Gymnasium?

Einmal im Leben muss da jeder deutsche Knirps durch. Es ist quasi die gesellschaftliche Mutprobe. Das ,,ins-kalte-Wasser“-Werfen. Einen Vorgeschmack zu bekommen auf das, was sich ,,erwachsen“ schimpft.

Nämlich das Ende der Grundschule. In der dritten Klasse geht es schon los, die Leichtigkeit ist verflogen und man spricht plötzlich von Zeugnisnoten und Empfehlungen. Jetzt wird selektiert und zwar schonungslos. Die Guten ,,dürfen“ an das Gymnasium, die Mittelprächtigen auf die Realschule und der Rest… der muss eben auf die Hauptschule.

Seit Jahren ist das eine gängige Methode, Schüler zu filtern. Wir kennen es schon gar nicht mehr anders. Aber stößt es euch da nicht auch sauer auf? Tut das nicht irgendwie weh, beim Lesen? Wir sind angeblich so frei, so demokratisch, so klug. Und sortieren trotzdem nach beinahe mittelalterlichen Methoden Kinder aus. Die Schüler stehen in diesen jungen Jahren schon unter ernormen Leistungsdruck, gerade jetzt, zu Zeiten von schlechten Pisa-Ergebnissen und Weltwirtschaftskrise, sind Eltern darum bemüht, das ,,Beste“ aus ihren Zöglingen heraus zu pressen.

Ein weiterer Punkt ist, dass wir immer mehr in Richtung ,,gefühlter“ Drei-Klassen-Gesellschaft driften. Offiziell wollen wir uns von Oberflächlichkeiten und Vorurteilen frei machen, aber unterschwellig werden diese Dinge leider immer schlimmer. Eltern haben Angst, wenn ihre Kinder auf die Hauptschule kommen, aus ihnen nichts mehr wird und sie aufgrund ihres Leistungsstandes gegängelt werden. Deshalb setzen sie ihre Kinder schon früh unter Druck – Hausaufgaben werden strengstens kontrolliert, es wird hart gelernt und mit den Lehrern über angeblich ,,ungerechte“ Notenverteilung diskutiert.

Es ist befremdlich, dass die Noten als aussagekräftig genug eingestuft werden. Die Persönlichkeit des Kindes wird völlig außer Acht gelassen. Die Empfehlung, welche Schule die Richtige ist, wird nur auf ein paar Zahlen zwischen eins und sechs gegründet. Ein recht wackeliges Fundament, wie ich finde. Außerdem wird hier der Jugend ein soziologisch schlechtes Bild suggeriert: Früh wird gelernt, dass die Hauptschule irgendwie ein Abstellgleis ist, von wo der Zug schon längst abgefahren ist. Und dann wundert sich doch tatsächlich ganz Deutschland ernsthaft, dass auch genau das aus der Hauptschule geworden ist…? Ein naives ,,Dichter- und Denkerland“ sind wir da.

Mal wieder kann ich es nur betonen: Ich frage mich, wie lange es noch dauern wird, bis sich das Konzept der Gesamtschule endlich ganz durchsetzt. Sie wäre nämlich die Lösung dieser inakzeptablen Misere. Sie würde bedeuten, dass die grausame Selektion überflüssig wird und zudem die Schüler, die mittlerweile sicher auch zu Freunden geworden sind, zusammen bleiben können.
Aber Deutschland ist nunmal, was die Bildung anbelangt, ziemlich langsam und unbeholfen. Immer noch.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.