Missbrauch an Helene-Lange-Schule in Wiesbaden

Kunstlehrer Hajo W. soll sich 1989 an vier Jungen in der Sauna vergriffen haben. Das Kollegium der Helene-Lange-Schule hatte davon gewusst. Der Fall wurde intern besprochen und dann unter den Teppich gekehrt. Zu einer Strafanzeige kam es nicht, der Lehrer wurde versetzt.

Berichte über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen häufen sich. Aber nicht nur an katholischen Schulen kommen derzeit Missbrauchsfälle ans Tageslicht, auch an einer hessischen Vorzeigeschule kam es zu sexuellen Übergriffen an Jugendlichen. Enja Riegel, ehemalige Schulleiterin der Unesco-Modellschule in Wiesbaden, wandte sich in der vergangenen Woche an die Öffentlichkeit und berichtete von einem Fall während ihrer Amtszeit.

Keine Strafanzeige

Der mittlerweile verstorbene Kunstpädagoge und Photograph Hajo W. hatte 1989 vier Schüler in der Sauna „befummel“, doch die Schulleitung hatte sich gegen eine Strafanzeige entschieden. Bekannt geworden ist der Vorfall durch die damalige Schülerin Titilayo Bornmann, ihr sei klar gewesen, dass es in der Sauna zu sexuellen Übergriffen gekommen war, aber ihr sei gesagt worden, dass sie darüber schweigen solle. Die Lehrer diskutierten den Missbrauchsfall nur intern, heute, so räumt Riegel ein, würde sie sofort die Staatsanwaltschaft informieren.

Lehrer wurde versetzt

Hajo W. war damals nicht suspendiert, sondern zu einer Therapie gedrängt worden, anschließend war er in der Lehrerfortbildung tätig. Die angesehene Reformpädagogin Enja Riegel hatte dennoch weiterhin persönlichen Kontakt zum Täter. Zusammen mit Hajo W. veröffentlichte sie 1997 ein Buch über die Helene-Lange-Schule. Mitgewirkt als Illustrator hatte dabei auch der derzeit wegen schweren Missbrauchs beschuldigte ehemalige Leiter der Odenwaldschule Gerold Becker. Enja Riegel muss nun einen Bericht über den 20 Jahre zurückliegenden Fall an das Staatliche Schulamt liefern.

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