Mädchen prügeln und raufen sich immer öfter und können bei den Jungs bald ,,mithalten“

Seit ein paar Jahren sind sie im Gespräch und reißen oft die Aufmerksamkeit auf sich: prügelnde Mädchengangs und aggressive, kompromisslose junge Frauen.

Dass Jungs sich prügeln, erscheint unserer Gesellschaft normal. Die müssen sich balgen, um ihre Rangordnung herzustellen. Immerhin sind Menschen ja irgendwie auch nur Tiere. Jetzt wird das zarte Geschlecht auch immer brutaler, auch hier wird die Emanzipation sehr ernst genommen und nach Gleichberechtigung verlangt.

Mädchen spielen Fußball, spielen ,,Ballerspiele“ und raufen sich eben auch mit den Jungs. Was sie früher drinnen getan haben, wird nach draußen vertagt. Hinzu kommen verwahrloste, ärmliche Familien, die dem Kind ein ordentliches Frustpaket auf den Rücken schnallen. Ist es tatsächlich so einfach? Eine zu freie Gesellschaftsform? Und die Ignoranz gegenüber sozial benachteiligten Familien?
Ich glaube – natürlich 😉 – nicht. Es kann gar nicht so einfach sein. Irgendwie ist es immer sehr einfach, den Eltern die Schuld abzusprechen, weil sie so arm und aus einem anderen Land und… naja.

Weil das mit der Schuldzuweisung zu den Eltern nicht so funktioniert, wird die Schuld oft auch auf die Schule abgewälzt. Schlechte Lehrer, Bildungssystem und fehlerhafte, mangelnde Reformen. Und außerdem ist Schule nicht nur eine Bildungsstätte, sondern auch Kindergarten. Hier darf nicht nur Wissen beigebracht, hier muss auch erzogen werden. Viele Eltern zeigen gern mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Schule, um sich selbst aus der Schusslinie zu ziehen.

Natürlich ist es für ein Kind frustrierend und schlimm, wenn zuhause Papi betrunken von der Arbeit kommt. Aber ist daran die Gesellschaft Schuld? Würde die Arbeitslosigkeit abgeschafft, hätte der Mann eine ordentliche Arbeit – wäre er ein anderer Mensch? Oder würden aggressive Persönlichkeitsmerkmale nicht trotzdem ein Teil von ihm sein? Wessen Schuld ist das hier eigentlich? Sollte man nicht den Schuldigern in seinen Eltern suchen, die ihm diese Art der gewalttätigen Konfliktlösung beigebracht haben? Dann könnte man ja befriedigt zum Friedhof gehen und auf Gräber schimpfen. Während zuhause weiter die Wut regiert. Denn gelöst wird das Problem dadurch nicht.

Und noch einen Verantwortlichen habe ich entdeckt. Um es mal profan auszudrücken: Die Massenverblödung. Der Fernseher nennt sich mittlerweile ,,TrashTV“ und im Internet ist so ziemlich alles vertreten, was man sucht. Und meistens sucht man nicht nach Goethe oder Thomas Mann. Bücher lesen ist außerdem ,,out“. Stattdessen wird ,,gezockt“. Aber auch das ist noch viel zu einfach. Und auch das ist eigentlich mehr ein Symptom und keine Ursache des eigentlichen Kernproblems.

Das Problem ist die Abwärtsspirale. Mehrere Faktoren, die sich gegenseitig negativ beeinflussen. Und verantwortlich für die Kinder, sind immer noch die Eltern, die es sich auch gerne einfach machen. ,,Ich hab´ja nicht soviel Geld“ – ist für mich kein triftiges Argument, dem Kind keine Werte beizubringen oder ihm mal ein Buch in die Hand zu drücken. Und auch Geld ist nicht das Problem, sondern die fehlende Bildung der Eltern. Und die fehlende Bildung wäre eigentlich auch kein Problem, wenn der Tischler sich dem Arzt gegenüber nicht so benachteiligt fühlen würde. Die Arbeit eines Handwerkers wird oft nicht ausreichend genug gewürdigt, der durchschnittliche Akademiker weiß den handwerklichen Aspekt unserer Berufswelt gar nicht zu schätzen. Was erzeugt das? Wut. Genau. Und wohin geht die Wut…?

Also ist doch die Gesellschaft Schuld? Na klar ist sie das. Aber… was genau ist denn ,,Gesellschaft“? Woraus besteht sie, was macht sie aus, woher kommt sie? Wer kann sie formen, umlenken, beeinflussen? Wir Menschen sind doch alle Bausteine davon. Die einzigen Bausteine übrigens, wenn wir Dinge wie Wirtschaft, Poltik, etc. mal außen vor lassen. Die Fehler sollten wir nicht immer bei den ,,anderen“ suchen, bei dem waschigen Begriff ,,Gesellschaft“, sondern bei uns selbst.
Dass ein Mädchen in der großen Pause ihre Klassenkameradin verprügelt ist nicht ein Problem, sondern ein Symptom. Es ist eine Tragödie – aber nicht die einzige.