Leistungsdruck in China

Viele Schüler klagen über zuviele Hausaufgaben, zu wenig Freizeit, würden lieber Fußball spielen anstatt zu lernen. In China ist das anders. Auch heute sind viele Unterrichtsmethoden veraltet, alte Traditionen werden oftmals aus Angst und Achtung nicht gebrochen.

Dass die Chinesen besonders leistungsbereit sind, ist keine Neuigkeit. Aber auf heranwachsenden Schülern liegt oftmals ein großer Druck, dem sich nur die wenigsten entziehen können.
Zwar werden auch Diskussionsrunden etabliert, weil auch in China junge Leute gesucht werden, die innovativ und selbstständig denken, jedoch wirklich aufmucken tut keiner, eine ernsthaft gegenläufige Meinung gegenüber des Lehrers hat so richtig niemand. Doch für die Unternehmen ist genau da das Problem: Sie wollen heute keine funktionierenden Maschinen mehr, provokativ ausgedrückt. Sondern kreative, junge Köpfe, die neue Steine ins Rollen bringen und auch eine eigene Ansicht vertreten können.

Des Weiteren kommt hinzu, dass es auch keine wirkliche Sozialversicherung in China gibt. Das heißt, dass die Kinder später die Eltern materiell absichern, so haben Eltern natürlich nochmal eine ganz andere Erwartungshaltung gegenüber ihren Sprösslingen, die von morgens bis spät in der Schule hocken und lernen.
Zeit für Fußball oder mal eben ins Kino zu gehen bleibt da eben nicht. Mit anderen Worten bedeutet das, dass Kinder sich wie Erwachsene zu benehmen haben. Für das Kindzeit ist einfach kein Platz in der Lebensplanung.

Ich persönlich rümpfe ja schon seit Jahren die Nase über die Moralvorstellungen Chinas. Oftmals werden dort ganz andere Prinzipien vorgelebt und die Prioritäten sind ganz anders verteilt: Die Arbeit kommt noch vor der Familie, das Unternehmen ist wichtiger als die Menschen, die man liebt. Vielleicht ist das jetzt etwas platt gesagt und sehr über den Kamm geschoren, aber nach wie vor herrscht ein wahnsinniger Leistungsdruck auf junge Menschen, die eigentlich etwas anderes tun sollten, als ausschließlich zu lernen. Kinder sollten den Freiraum zugestanden bekommen, sich zu entfalten, sich und das Leben zu entdecken, stattdessen werden sie ins kalte Wasser der Verantwortung gestoßen und müssen zusehen, wie sie damit klar kommen. Ganz leise erwähne ich da auch noch die bezeichnende Geschichte der Mutter, die ihr eigenes Kind erstickt, weil es diverse Lerndefizite aufweiste und in der Schule kaum mithalten konnte.
Wie gesagt, ich flüstere es nur ganz leise in den Raum. Trotzdem finde ich, dass die Aufbrechung alter Muster sehr viel schneller vonstatten gehen sollte. Natürlich haben die Chinesen schon eine gut gemeinte Richtung eingeschlagen – jedoch alles recht halbherzig und eher ,,wischiwaschi“, wie ich doch finde. Dabei verlange ich ja nicht die Aufgebung von Traditionen, nur eben den goldenen Mittelweg.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.