Latein – eine tote Sprache?

Hartnäckig hielt sich das Vorurteil, dass ,,Latein“ – insbesondere an unseren Schulen – immer mehr zu einer toten Sprache mutiert, da sie im alltäglichen Gebrauch nicht mehr einsetzbar ist. Doch da liegt der Volksmund falsch: Denn dieses Sprachfossil wird in Japan – dem Trendsetter schlechthin – schon seit längerer Zeit für eine absolute ,,In“-Sprache gehalten.

Als ich ,,damals“ noch die Schulbank drückte, durfte ich mich in der siebten Klasse auch entscheiden, welche Sprache ich lernen möchte: Französisch, Dänisch oder Latein? Ich entschied mich für Dänisch, aber brauchte diese Sprache natürlich niemals wieder, außer dem einen Male, als ich mit meiner besten Freundin in Dänemark in irgendwelchen Dünen mit dänischen Jungs verzweifelt darüber zu debattieren versuchte, ob wir uns nun den Sonnenuntergang ansehen oder doch lieber in die Disco gehen wollen.
Heute kann ich noch ,,klassevejret“ sagen, was soviel wie Klassenzimmer bedeutet, aber dann hört es auch schon auf.

Aber Latein? Latein, das war doch die Sprache der Ärzte, der Anwälte und der Biologen? Mein Vater klärte meine Neugierde mit den Worten: ,,Latein lernt man nur, um akademisch anerkannt zu sein“ auf und damit war das Thema für mich erst einmal erledigt. Latein sei eine tote Sprache, die kein Mensch mehr braucht, heute verständigt man sich gefälligst auf englisch oder französisch und damit basta!
Doch ganz so einfach, wie uns der Volksmund das weiß machen will, ist es wohl doch nicht, denn wie oben schon erwähnt, ist diese vom Aussterben bedrohte Sprache in Japan stark im Kommen, wie auch Paul Wakai verdeutlicht

Dieser Mann vergleicht diese nämlich mit der derzeitigen ,,Manga-Welle“, die Deutschland vor einigen Jahren ja auch sinnflutartig überrollt hat. Und das soll schon was heißen, denke ich doch dabei bangend an die fünfhundert Bücher in den Regalen meiner kleinen Schwester. Wenn Latein genauso ,,modern“ wird, werde ich noch viel heftiger bereuen, Wörter wie ,,klassevejret“ gelernt zu haben und bei dem Klassiker nicht mithalten zu können.

Ein weiteres Indiz für das Wiedererstarken ist die Tatsache, dass auch in unseren Schulen die Sprache wieder mehr populärer wird: So lernen derzeit circa 28 Prozent aller Schüler dieses Fach, wobei diese Zahl stetig anwächst, denn es kommen pro Jahr rund 500 – 1.000 Schüler hinzu, die sich für diese angeblich begrabene Sache entscheiden.

Aber auch all diejenigen, die wie ich aus der Schule schon raus sind, müssen nicht darüber zittern, nicht mehr ,,trendy“ zu sein: Auch gibt es immer mehr Volkshochschulkurse, die hinsichtlich dieser Problematik Abhilfe schaffen können.

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