Kopfnoten für das soziale Verhalten


In immer mehr Bundesländern gehören die Kopfnoten neuerdings wieder zu den vergebenen Noten auf dem Zeugnis. Auf der einen Seite sollen sie der Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens der Schüler dienen, auf der anderen Seite brandmarken sie den Schüler auf Jahre und mindern später seine Chancen in der Berufswelt.

Die Zweckmäßigkeit der der Kopfnoten ist vielerorts umstritten. Einerseits argumentiert man, dass es gerade in einer Zeit, wo es um Jugendgewalt und mangelnden Sozialverhaltens der Jugend geht, genau richtig sei, den Schüler nach seinem Verhalten zu beurteilen. Auf diese Weise können auch die Eltern ein Feedback aus der Schule erhalten und möglicherweise korrigierend eingreifen, wenn das Kind aus dem Ruder laufen sollte. Da sich aber das Bewertungssystem nicht auf die allseits aus der DDR bekannten Kriterien Ordnung, Mitarbeit, Fließ und Betragen beschränkt, sondern sich in Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit unterteilt, entsteht zunächst ein hoher bürokratischer Aufwand für den Klassenlehrer, der sich aus allen unterrichteten Fächern eine Einschätzung holen muss. Zudem sind sich die Kategorien thematisch sehr nahe, weshalb man sich kein gesamtheitliches Bild machen kann. Im Gegenteil, meistens ist so, wenn ein Schüler schlecht beurteilt wird, trifft dies fast auf alle Kriterien zu.

Da die Noten zudem ein Leben lang Bestand haben, wird der Schüler bei späteren Bewerbungen aufgrund seines Verhaltens in der vierten Klasse beurteilt. Da sich Menschen im Laufe ihres Lebens aber verändern, kann dies keine gute Grundlage sein. Im Allgemeinen müsste man eigentlich sagen, dass es zwar Kopfnoten geben sollte, aber zeitlich begrenzt und auf dem System aus DDR-Zeiten beruhend, da dort eine viel bessere Einschätzung möglich ist. Möglicherweise kann man dann auch gezielt auf Schüler mit schlechten Kopfnoten zugehen und spätere „Konfliktkandidaten“ frühzeitig „therapieren“.

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