Klassentreffen nach der guten alten Schulzeit

Wer die Schulbank drückt, kann es kaum erwarten, in die große weite Welt ,,entlassen“ zu werden. Sobald es aber soweit ist, sehnen sich die meisten Erwachsenen zu der ,,guten alten Zeit“ zurück.

,,Hast du es gut!“ Welches Kind hat seine Eltern noch nicht auf diese Weise seufzen hören? Die Schule ist die schönste und leichteste Zeit im Leben eines Menschen. Umso schmerzhafter wird diese Einrichtung später, im Erwachsenenalter, vermisst.

Umso schöner, dass wir uns alle beim späteren Klassentreffen wiedersehen! Fieberhaft sehnt sich Patricia nach Dienstag-Abend, wo sie ihre Sandkastenliebe Danny wieder treffen möchte. In vergilbten Erinnerungen wühlend sieht sie sich selber als Siebzehnjährige, die voller Hirngespinste – unter anderem auch ,,Träume“ genannt – mit Danny kleine Herzen in die Schultische ritzt. Was war das für eine irre Zeit! Und was war sie aufgeregt, als sie ihre Aubsildung in der fremden Stadt anfing.

Dienstag­-Abend. Aufgeregt nippt Patricia vorsichtig an einem Glas Sekt. Sie ist eine Stunde zu früh in der versprochenen Bar und somit die erste. Sie nutzt die Zeit, um die letzten Jahrzehnte Revue passieren zu lassen. Erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung. Horst kennen gelernt. Schwanger geworden. Geheiratet. Flitterwochen auf Hawaii, anstatt Schule bauen in Afrika, wo sie eigentlich Jahre ihres Lebens verbringen wollte. Sie wollte auch studieren, in New York, und einem Künstler Modell stehen. Nackt natürlich. Abenteuer erleben, wild sein, jung. Was sie alles vorhatte. Stattdessen ist sie ein erwachsenes Vorstadtmädchen geworden, liebevolle Mama und wenn sie ehrlich ist, strickt sie auch gern.
Plötzlich schiebt sich die Eingangstür auf. Ein älterer Typ mit Geheimratzecken, Bierbauch und einem schäbigen Bart steht rauchend in der Tür. Patricia möchte sich gerade angewidert wegdrehen, als sie inne hält: ,,Danny?“
,,Patricia! Wie schön, dich zu sehen. Du hast dich gar nicht verändert!“
Da steht sie. Ihre erste große Liebe, der Schwarm aller Mädchen, mit den tollen Korkenzieherlocken und den azurblauen Augen. Die jetzt glasig und trübe durch den Raum blicken. Die Stimme müde und abgetragen. ,,Wartest du schon lange hier?“
,,Es geht so.“
Und dann legt sich die bleierne Stille zwischen die beiden, ein vielsagendes Schweigen, welches zuviel aussagt und deshalb fast unerträglich scheint.

Zuhause atmet Patricia auf. Atmet tief ihr eigenes, jetziges Leben ein, als hätte sie vor einem Abgrund gestanden und sich entschlossen, doch nicht zu springen.
So toll war die Schule damals ja auch nicht, denkt sie. Eigentlich ist es doch ganz schön, dass sie zuende ist. Und außerdem ist stricken ein wirklich schönes Hobby.
Denn das fatale an Erinnerungen und der Schule ist ja, dass wir sie im Nachhinein furchtbar idealisieren. Als würden wir unser Leben im Rücklauf in rosige Zuckerwatte betten, damit es uns auch ja nostalgisch genug erscheint. Da kann es ganz gut sein, wenn wir ab und zu wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück geholt werden 😉 .

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