Klassenfahrt führt die Schüler und Lehrer immer öfter ins Ausland

Die Klassenfahrt ist wohl eines der wichtigsten Ereignisse während der gesamten Schullaufbahn. Die Klassenfahrt ist der Inbegriff für Schulspaß, feiern und staubtrockenes Kulturerlebnis.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Klassenfahrt? Wie aufregend und spannend alles noch war. Die Jugendherberge, das erste eigene Urlaubsgeld und eine Woche lang aus gewohnter Umgebung den Eltern entrissen, fühlte sich alles wie ein spannendes Abenteuer an.
Da gibt es Heimweh, Spieleabende und langweilige Museen, die auf dem Pflichtprogramm einer jeden Schulfahrt stehen.

Später in der Oberstufe ist das schon etwas anders. Da wird aus der Klassenfahrt eine einwöchige Dauer-Party mit kurzen gezwungenen Stops in Museen und an kulturellen Stätten, deren Eindrücke man sowieso am Abend wieder im Wodka versunken hat.
Für die Lehrer sind diese Fahrten oft eine regelrechte Tortour – mit halbwüchsigen Jugendlichen eine Woche lang auf engstem Raum wohnen und diese auch noch irgendwie im Zaum halten.
Es wird kein Alkohol getrunken, er wird gesoffen und nachts wird sich heimlich aus der Jugendherberge geschlichen, um die nächstgelegene Disco unsicher zu machen.

Am nächsten Morgen hat man schließlich lebende Zombies vor sich im Bus sitzen, denen man idealistisch noch etwas von atemberaubender Landschaft und außergewöhnlicher Geschichte erzählt, was allenfalls bei der schon vernünftig gewordenen Klassenbesten auf fruchtbarem Boden fällt.

Und dann die Fahrten-Orte. Früher waren Berlin, München und Dresden favorisierte Klassenfahrtziele. Besonders die aus eher ländlich Gegenden stammenden jungen Menschen zog es magisch in die verlockende Großstadt.

Mittlerweile aber stehen aber Frankreich, Italien und Spanien ganz oben auf der Wunschliste der angehenden Erwachsenen. Was an sich gar nicht schlecht ist, denn viele Jugendliche sind bis dato noch gar nicht im Urlaub oder gar im Ausland gewesen, was für den Sprung über den internationalen Tellerrand nur förderlich ist.

Problematisch ist hier allerdings nur die Tatsache, dass Lehrer nur ungern diese Verantwortung auf sich nehmen und mit einer Horde frei entlaufenen Jugendlichen in fremde Länder streben. Berlin wäre da noch so wunderbar nah dran…

deshalb hat sich meine damalige Schule eine Alternative überlegt. Sie haben einfach einen freundschaftlichen Kontakt zu einem Gut in Italien aufgebaut. Dieses liegt wunderbar abseits mitten in der Toskana und bietet viel Platz und Behaglichkeit für besonders junge Menschen, denn lautsein macht hier gar nichts. Und wilde Poolpartys stören auf dem Acker auch niemanden, da hier weit und breit nichts ist. Kein Supermarkt, keine Disco – nicht einmal ein Dorf wären hier unsicher zu machen.
Seit Jahren schon fahren die Lehrer mit den Klassen dorthin und haben keinerlei Probleme.

Es ist wohl nur eine Frage des Wollens, wie man als Lehrer die Klassenfahrt für beide Parteien schön gestaltet. Ein Kompromiss ist da immer gut, denn immerhin haben wir es ja mit bereits teilweise volljährigen Menschen zu tun. Und die wollen sich nicht mehr sagen lassen, ob sie in die Disco gehen sollen oder nicht.

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