Emanzipation Schuld an Konsumverhalten der Schüler?

Die Mädels in der hinteren Ecke unterhalten sich über ihre Jeans-Hosen. Denn Jana hat jetzt eine Esprit-Jeans für achtzig Euro von ihrer Mutter bekommen. Und Josefine trägt ausschließlich S.Oliver Marken. Nur Isabell steht abseits. Sie hat keine so kostenspielige Jeanshose. Überhaupt hat sie nicht so teure Klamotten oder Sachen wie die anderen.

Eine steigende Tendenz hat aufgezeigt, dass Eltern immer großzügiger ihre Geldbörse öffnen und den Kindern ihre überzogenen Wünsche viel lieber als früher erfüllen. Die neueste Spiele-Konsole, ein Laptop oder eben eine teure Jeans-Hose. Das Kleingeld, das früher in die Keksdose wanderte, fließt heute in die Hosentaschen unserer Jüngsten. Und die geben es auch beherzt wieder aus. Oder prahlen mit ihren Errungenschaften bei ihren Klassenkameraden. Logischerweise.

Vermutet wird als Auslöser das Problem der Emanzipation. Denn die Frau hat sich frei geschaufelt, hat sich diverse Freiheiten erobert und findet sich nun in der Selbstfindungsphase wieder. Wütend wurde sich auf die beruflichen Spitzenpositionen gekämpft, aber da bleiben eben andere Dinge auf der Strecke… nämlich die Kinder. Denn der Mann fand sich in seiner Rolle schon immer gut, hat sich einfach nur kopfkratzend und Pfeife rauchend auf die Couch gefläzt und der Frau beim sich durchsetzen zugesehen – sich aber nicht verändert. Wozu auch? War ja alles gut so. Und die Frau stellt desillusioniert fest, dass sie zwar alles erreichen kann, aber dass das, was man glaubt, sich zu wünschen, nicht immer dem entspricht, was man tatsächlich braucht. Es ist ein bisschen so, als würde das Selbstvertrauen eines weiblichen Menschlein bröckeln und als würde sie selber nicht wert schätzen, was sie jahrhundertelang geleistet hat: Aufzug störrischer Kinder, Versorgung der Familie und einen Halt bieten. Ein Zuhause schaffen. Damit will ich nicht die heiß propagierte Emanzipation schlecht reden – im Gegenteil. Jedoch fühlt eine Dame sich jetzt einfach hin und her gerissen, zwischen zwei Stühlen, sie will und kann alles und weiß nicht, was ihr selber wichtig ist.

So läuft es eben so, dass viele Frauen beides unter einen Hut kriegen wollen, Karriere machen und sich oftmals ihr Gewissen frei kaufen: mit Geldgeschenken nämlich. Da fallen dann auch so Begriffe wie ,,Schlüsselkinder“, wenn Mama und Papa beide arbeiten und das familäre Klima sich irgendwie zwischen Stress, Zeitdruck und eben Arbeit verliert. ,,Zwei Seelen wohnen meiner Brust inne“ – kennen Sie das Zitat? Ein Dilemma für die Mütter in Deutschland. Ich selber studiere ebenfalls, aber was ist, wenn meine biologische Uhr einmal zu ticken anfängt? Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht. Einfach die ganze Ausbildung an den Nagel hängen, um den Kochlöffel zu schwingen? Mir gruselt´s. Aber mein Kind in die Obhut von anderen zu geben, nur damit ich mich ,,selber bestätigen“ kann, wäre mir dann doch zu egoistisch.
Wo ist die Gradwanderung? Wie gelingt so ein Balanceakt?

Früher konnte der Mann nicht schätzen, was die Frau für ihn tut. Es war eine Selbstverständlichkeit, ihre ,,Pflicht“. Genau das hat eben diese kollektive Wut erzeugt, die die Männer unserer Gesellschaft sprichwörtlich überflutete und jetzt, wo sie seufzend die ,,alten Zeiten“ idealisieren, versäumen sie, ihre Rolle in dieser ,,neuen Welt“ zu finden. So wie die Frau sich verwirrt die Augen reibt und sich fragt, wie sie das alles schaffen soll, Beruf und Kind und ob es nicht vielleicht doch richtig war, damals, als nur ,,einer“ den Ernährer spielte. Aufgabenteilung ist das Zauberwort. Die sollte es auch heute noch geben – nur eben gegen entsprechende emotionale ,,Bezahlung“ in Form von Achtung, Respekt und Wertschätzung. Aber das ist ein anderes Thema.

Interessant wird es werden, was für eine Gesellschaft wir auf diese Weise heran ,,züchten“ – Konsum verwöhnte Großstadtpflänzlein, karrierefixiert, familienunfreundlich und sozial inkompetent. Denn soziales Verhalten lernt man zu allererst immer zuhause. Nicht zu vergessen, dass die jetzigen Schüler es noch schwerer haben werden, ihre ,,Rollen“ zu finden. Und dass in unseren Schulen Mobbing und Ausgrenzung immer wichtigere Themen werden, spricht doch schon für sich. Das ist eben der Preis für die Emanzipation, den wir zahlen: Sie wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.

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