Einzelkinder haben Probleme in der Schule

Als Paul in die erste Klasse kommt, schwärmt seine Lehrerin ständig von seinem großen Bruder Johannes, der schon in der vierten Klasse ist. Aber Klara, seine ebenfalls größere Schwester hat große Probleme in Mathematik. Paul nervt das. Ständig wird er mit seinen Geschwistern verglichen!

So oder so ähnlich könnte sich fast jeder früher gefühlt haben. Denn ,,früher“ war es üblicher, mehr als zwei oder drei Geschwister zu haben. Und Einzelkind, Einzelkind war beinahe schon ein Schimpfwort für diejenigen unter uns, die egoistischerweise die komplette Liebe beider Eltern einheimsten!
Verwöhnt seien diese Knaben und Dirns, verwöhnt, eigenbrötlerisch und nicht in der Lage, ihr Pausenbrot zu teilen. Eine gängige, weit verbreitete Meinung.
Davon kann ich selber ein Lied singen, zwölf Jahre Einzelkinddasein waren zumindest früher kein Zuckerschlecken! Vorurteile lassen grüßen und die Schubladen im Kopf stehen sperrangelweit offen.

Und heute? Heute sieht das Ganze schon anders aus. Denn immer mehr Familien geben sich mit einem Kind ,,zufrieden“, alleine schon aus praktischen Gründen, da es heutzutage einfach üblicher ist, dass beide Elternteile arbeiten und keiner von beiden bereit ist, seine Karriere zugunsten des Hausfrauenlebens an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen. Bei einem Kind lässt sich das alles noch irgendwie managen und das so, dass alle Beteiligten glücklich sind.

Das wirkt sich natürlich auch auf unsere Schulen aus. Was früher viel gluckenhafter gehandhabter wurde, ist heute mehr eine sterile Angelegenheit. Es ist eher ungewöhnlich, wenn der Klassenlehrer das andere Geschwisterchen anspricht, denn meistens gibt es diese gar nicht. Oder nicht mehr. Und auch das Miteinander verändert sich. Was im Kinderzimmer durch harmlose Raufereien gelernt wurde, wird jetzt eben auf dem Schulhof nachgeholt. Mobbing, Ausgrenzung und unfaires Miteinander sind in den letzten Jahren sehr viel häufiger aufgetreten, sind ein größeres Problem geworden, welches sich durch alle Schichten hindurch gräbt und nazistischerweise nach Aufmerksamkeit brüllt.

Daher ist der sozialpädagogische Aspekt auch nicht zu unterschätzen, die Schule ist keine bloße Bildungseinrichtung, sondern hier muss sich oftmals behauptet werden, da dass nicht mehr zuhause stattfindet.

Hier findet also eine Übertragung statt. Was ja auch an sich nicht so schlimm wäre, insofern alle Beteiligten damit umgehen können. Und ich glaube, Lehrer können das oft nicht, sind überfordert und fühlen sich von der neuen Herausforderung in die Ecke gedränt, denn ,,früher“, ja ,,früher“ war ja eben alles anders!
Darum ist es wichtig, dass auch unsere Bildungspolitik entsprechend auf die Veränderungen reagiert und diese auffängt. Getreu dem Motto: ,,Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ wäre Aufklärung eine präventive Maßnahme, wie ich finde.

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