Die Reform einer Reform – Zurück zur dreizehnten Klassenstufe

Erst letztens schrieb ich über die Reform der Gymnasien, die die Abschaffung der dreizehten Stufe bedeutete. Was für Nach- und was für Vorteile diese hatte. Umso interessanter fand ich da die Tatsache, dass schon wieder diskutiert wird: nämlich die Rückholung des alten Systems. Quasi die Relativierung der Reform.

Na, da leistet unsere Bildungspolitik ja mal wieder ganze Arbeit, um sich vor ganz Detuschland so richtig lächerlich zu machen. Moment, woran erinnert mich diese pupertätsähnliche Geschichte? Achja, genau. Die Reform der Rechtschreibung. Die Nachwehen dieser Fehlentscheidung schwappen immer noch über unsere Klassenzimmer, Schüler schreiben heute sehr viel schlechter als früher.
Und jetzt geht es eben um unsere Gymnasien. Eine regelrechte Blitzreform schaffte die letzte Klassenstufe ab und erfand das im Volksmund lautende ,,Turbo-Abi“. Dieses stieß auf heftike Kritik, wie ich letztens schon berichtete. Keine Kindheit mehr, keine Hobbys und keine Zeit zum Lernen.

Daher wird jetzt heftig debatiert, ob es nicht ,,sinnvoll“ wäre, die Reform bis zum nächsten Jahr schon wieder zu relativieren. Sieht für mich irgendwie so aus, als sollte eine schlecht geplante und trotzdem durchgeführte Reform einfach unter den Teppich gekehrt werden, so, als hätte die Blamage nie stattgefunden. Manchmal frage ich mich, was für Köpfe eigentlich darüber entscheiden, wie es in Deutschland bildungstechnisch weiter geht. Sie können doch nicht ernsthaft glauben, dass es in irgendeiner Art und Weise konstruktiv ist, die ganze Geschichte wieder einfach rückgängig zu machen? Wir sind doch hier nicht bei ,,Mensch, ärgere dich nicht“, wo wir einfach nochmal würfeln, weil der Würfel ,,brennt“.

Zugegeben, die Reform war mal wieder kein intellektueller Erguss unserer Politik, jedoch kann man einiges aus ihr heraus holen. Denn ich finde es nach wie vor sinnvoll, ,,nur“ zwölf Klassenstufen zu durchlaufen. Geht ein Schüler von der Hauptschule zur Realschule, braucht er ein Jahr, um seinen höheren Abschluss zu absolvieren. Vom Wechsel zum Gymnasium allerdings drei Jahre, nach der alten Reform zumindest. Zwei Jahre finde ich da eine gesunde Alternative. Man braucht doch kein Jahr, um sich neu zu orientieren. Und oftmals werden die Schüler schon in der Realschule darauf vorbereitet, dass es auf dem Gymnasium etwas anders läuft. Mal davon abgesehen, dass wir es hier mit jungen Erwachsenen zu tun haben und nicht mehr mit Kleinkindern!

Und das mit der ,,verlorenen Kindheit“ finde ich immer noch Schwachsinn. Es gibt auch in der Schule Möglichkeiten, zumindest einigen Hobbys und Neigungen nachzugehen, Freunde findet fast jedes Kind in der Schule und durch ausreichende Pausen muss er diese auch nicht vernachlässigen. Viele Hausaufgaben sollten daher bereits in der Schule gemacht werden und nicht erst abends zuhause. Das wäre beispielsweise eine Änderung wert, um das ,,Turbo-Abi“ möglicher und angenehmer zu gestalten. Denn somit stünde der späte Nachmittag immer noch zur freien Verfügung, um mit Barbie und Ken wichtige erwachsenwerden-Abenteuer zu bestehen. Entschuldigt bitte meine wieder etwas spitze Zunge, aber ich finde die ernsthafte Erwägung der Rückholung wirklich unmöglich.

Kann man nur hoffen, dass die ,,da oben“ sich nochmal hinsetzen und ernsthaft darüber nachdenken, wie es weiter geht. Und das am besten aus Perspektive unserer Schüler, die sich Jahr für Jahr neu ausrichten und orientieren müssen. Es ist kein Zuckerschlecken, sich den ständigen Reformen aussetzen zu müssen, die Schule sieht aus wie ein wankelndes Monument, welches jederzeit einstürzen kann. Nicht wirklich vertrauenserweckend. Und nicht wirklich förderlich. Auch daher nicht, weil die Schulen sich nicht um die Weiterentwicklung und Förderung kümmern können, sondern sich ständig unter Druck gesetzt fühlen.

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