Die PISA-Furcht: Warum immer weniger Schüler sitzen bleiben

Früher bekam der Schüler die strafenden Blicke, wenn er anhand von schlechten Noten eine sogenannte ,,Ehrenrunde“ drehen durfte, jetzt sind es die Lehrer, die die Tadel einstecken müssen. Sehr zum späteren
Leidwesen der Schulabgänger!

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich fünfzehn und schwer pupertärend dem Rest der Welt meinen Stinkefinger zeigen musste. Mit verschrenkten Armen hockte ich Kaugummi kauend im Unterricht, während mein verdammt cooler Nietengürtel die sowieso schon klapprigen Stühle zerkratzte. Die Folge davon war natürlich abzusehen: Ich blieb sitzen. Und das zu Recht.
Denn mit einer sechs und zwei fünfen brachte ich ein tatsächliches Armutszeugnis mit nach Hause, jedoch lernte ich meine Lektion und nutzte meine ,,zweite Chance“.

Doch ob das heute noch genauso wäre, ist bezweifelbar. Denn die Schulen, insbesondere die Gymnasien, bekommen immer mehr Druck von oben. Zum Beispiel möchte das Kulturministerium die Lehrkräfte dafür,,sensibilisieren“, dass es keineswegs die Schuld der Schüler sei, wenn sie keine Leistung erbringen würden, sondern dass sie dann eben nicht ausreichend genug gefördert werden.
Schulen, deren ,,Durchfallquote“ zu hoch liegt, wurden angedroht, dass sie eine beratende Funktion zur Seite gestellt bekämen.
Mit anderen Worten: Einen Kontrollbesuch abgestattet bekommen.

Natürlich sieht in so einer Situation jeder Direktor seine Karriere gefährdet, was wiederum Druck auf den einzelnen Lehrer zur Folge hat. Und was macht ein Lehrer, der seinen sicheren Arbeitsplatz bedroht sieht? Natürlich – er schummelt. Plötzlich gibt es auch in der gymnasialen Oberstufe wieder Noten für eine schöne Schrift und Aufgaben, die in einer Klausur von vielen nicht richtig gelöst wurden, fallen dann einfach unter den Tisch.

Aber das ein junger Mensch bei seinem Abschluss vielleicht nicht genügend Qualifizierung für eine Ausbildung oder einen Studienplatz besitzt – das interessiert hier offensichtlich niemanden.
Denn um überhaupt einen zu bekommen, muss man auch in der Lage sein, den Anforderungen einzelner Betriebe zu genügen – und daran scheitert es oft genug: So beklagen sich viele Unternehmer darüber, dass sie ungenügend Auszubildende hätten, dafür genug schlampige Bewerbungen.

Ich muss gestehen dass mich diese Tatsachen recht fassungslos machen, denn bei der Vorstellung, dass meine Lehrer mir meine ausgeprägten Launen hätten durchgehen lassen, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Anstatt zu lernen habe ich Papierschiffchen gebastelt und meine Mitschüler zum Lachen gebracht, aber dass genau solche Dinge jetzt einen jungen Menschen qualifizieren sollen, Abitur zu absolvieren, da wird mir ganz anders!
Seit einigen Jahren schon wird über die deutsche Schulpolitik gemosert, aber wirklich etwas passiert ist noch nichts – ganz im Gegenteil, anstatt in die Bildung zu investieren, wird destruktiv Druck gemacht, was aber nur eines konsequent zur Folge hat: Unsere Schule büßen stark an Qualität ein!

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