Der Mann als neue Werbeikone

Jahrelang wurden weibliche Models nackt in Szene gesetzt um Produkte zu verkaufen. Der Trend geht jetzt zum Mann. Die Schönheitsindustrie hat den Mann als Ziel- und Lustobjekt erkannt. Der nackte Männerkörper als Ikone der Werbung.

Es fing mit Duschgel an: Ein halbnackter überaus durchtrainierter, gut gebräunter Männerkörper springt von einer Klippe in das schäumende Meer.  Man sieht ihn nur von hinten.

Der Oberkörper des Cola-Light-Mannes wurde schon in den Neunzigern von schmachtenden Frauenblicken verfolgt. Es ist also keine neue Erscheinung, dass Männer halbnackt in der Werbung auftreten.

Was allerdings neu ist, ist die volle Entblößung. In geschickten Posen räkelten sich in den letzten Jahren vermehrt männliche Models um irgendein Produkt zu verkaufen. Beispiel hierfür ist die Werbungen von Lacôste pour homme, in der ein Mann in schwarz-weiß sich nackt durch eine Wohnung bewegt und in einem Sessel mit einem Kaffee wartet.

Auch Stars ließen sich nackt ablichten und ließen so einen neuen Körperkult entstehen. David Beckham war erst letztes Jahr mit knapper Unterwäsche von Armani zu sehen. Die Metrosexualität galt und gilt immer noch als erstrebenswerter Look und Beckham hat seinen Teil dazu beigetragen.

Plötzlich benutzen tausende von Männern selbstbewusst, verschiedene Pflegeprodukte und sind bei Pediküre und Maniküre anzutreffen. Es schient als ob die Werbeszene in Sachen Trends eine Gender – Balance erreicht hat. Männer und Frauen sind interessant, schön, erfolgreich und sexy.

Frauen werben nicht mehr für Männerprodukte, Männer tun es. Egal ob Mode, Duftwasser oder Hygieneartikel, der Mann bewirbt sich selbst, ohne die Hilfe von schmachtenden Frauen. Und die Männer folgen den Vorbildern, die Nationalmannschaft trägt schließlich auch Strenesse.

Gute Kleidung gehört zum Understatement, nicht mehr zur Zwangsübung. Große Bekleidungsketten wie Hennes und Mauritz richten Läden nur für den Mann ein. Die Werbesprache spricht mit einem neuen Mann.

Auch in Sachen Schönheitsoperationen hat sich bei Männern einiges getan:

Ob Po- oder Wadenimplantat, aufgepolsterte Männer-Körperteile gehören zum Standardrepertoire für jeden Schönheitschirurgen. Ein Merkblatt der Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) vermeldet, dass 80Prozent der Schönheitsoperationen an Frauen vorgenommen werden. Der Markt für Männer wächst trotzdem stetig weiter. Pflegeserien für den Mann werden entwickelt: Die Devise heißt „Hyaluron statt Vollbart“.

Das Nervengift Botox wird Mann nun ebenso injiziert, wie der Gattin und das obwohl die Falten eines Mannes früher allenfalls als interessant galten, doch nie als Zeichen von Alter.

Das hat sich geändert. Perfekte Männerkörper zwingen nun auch den Mann auf sich zu achten. Ernährungsratgeber für Männer sind nicht mehr Sache der Fitnessstudios. Sollte das zu einem ähnlichen Schönheitswahn führen wie bei den Frauen?

Dennoch, männliche Models verdienen im Schnitt immer noch weniger als weibliche. Ein Markus Schenkenberg hat nie das Gleiche verdient wie eine Heidi Klum.

Der Markt ist entdeckt, die Werbung reagiert – Es war nie anders.

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