Canisius Gymnasium Berlin: Missbrauch verjährt – vergessen? Niemals

Eine entsetzliche Nachricht macht derweil die Runden: An einer Jesuitenschule in Berlin, die als Elitegymnasium gilt, sollen über mehrere Jahrzehnte hinweg mindestens zwei Patres regelmäßig SchülerInnen sexuell missbraucht haben. Die Tat sei heute verjährt, vergessen können die Betroffenen die Übergriffe wohl ein Leben lang nicht.

Canisius-Kolleg Berlin: Mindestens zwei Patres missbrauchten Schüler sexuell

Erst wird einem übel, dann stellt sich Wut ein, wenn man über die Missbrauchsfällen am katholischen Canisius Gymnasium in Berlin-Tiergarten liest. Mindestens zwei Patres, Riedel und Statt, hatten sich ab der 70er Jahre sexuell an SchülerInnen vergangen, sowohl innerhalb des Unterrichts als auch während der Betreuung in der Freizeit. Gerüchte und Beschwerden wurden schon damals laut, der ehemalige Schulleiter war informiert. Doch statt konsequent gegen die Straftäter vorzugehen, wurden sie nur an andere Schulen versetzt, wo sie sich weiter an Schutzbefohlenen vergingen.

Der aktuelle Rektor der katholischen Privatschule zeigt sich beschämt und spricht den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Auch die Kirche heißt das Verhalten nicht gut. Aber wo bleiben die Verurteilungen? Die gibt es nicht. Die Straftaten sind verjährt. Einer der Straftäter bestreitet seine abscheuliche Tat noch immer.

Natürlich gibt es Missbrauchsfälle in allen sozialen Schichten, Verbänden und Einrichtungen. Pädophile Straftäter werden immer die Nähe zu Kindern suchen, sei es über den Schwimmverein oder eben in Glaubensgemeinschaften. Doch kaum findet man irgendwo so ein strukturelles Totschweigen der Problematik statt, wie in der Kirche. Warum? Weil das Thema in christlichen Gemeinschaften noch immer tabuisiert wird. Das Gemeinschaftswohl wird über das Wohl des einzelnen gestellt. Statt dessen wird in einer schriftlichen Entschuldigung das Problem der Kirche mit der Homophobie eingeräumt. Was soll das? Die Täter waren nicht homosexuell, sie waren pädophil. Homosexualität ist keine Straftat, keine Krankheit, keine Entgleisung, die Leid verursacht. Pädophilie schon.

Missbrauch in Schulen

Eltern kann man nur raten mit ihren Kindern vertrauensvoll über das Thema zu sprechen. Tabus im Umgang mit natürlicher Sexualität aber auch mit erzwungenen Praktiken sind nicht angebracht. Kein Kind sollte aus Scham schweigen, weil es glaubt, es sei selbst Schuld oder weil es Bestrafungen erwartet. Erziehen sie ihre Kinder zu mündigen Erwachsenen, die sich trauen NEIN zu sagen, auch zu Erwachsenen. Auch zu Onkeln und Tanten. LehrerInnen. PolizistInnen. Die sich ihrer Rechte bewusst sind.
Falls sie Übergriffe vermuten, scheuen sie sich nicht ihre Befürchtung zu thematisieren. Holen sie sich Hilfe!
Wichtige Adressen im Überblick:

Wildwasser – Hilfe und Kontaktadressen bei seuxuellem Missbrauch

Zartbitter – Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen

Deutscher Kinderschutzbund e.V. – Verein für die Interessen der Kinder

Der weiße Ring e.V. – Verein für Kriminalitätsopferhilfe mit Opfer-Telefon

Deutsche Polizei Beratung – Beratung, Infos und Hilfe

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