Bildungspolitik, PISA und Schule im Jahre 2008 – ein Rückblick

Viele nutzen den Jahreswechsel, um Bilanz zu ziehen. Sind Vorsätze realisiert worden? Erfolge zu verbuchen? Was ist erreicht worden und von welchen Träumen und Illusionen musste man sich vielleicht schmerzhaft lösen? Was hat man dazu gelernt und wo geht es als nächstes hin? Auch ich möchte nach einem bildungstechnisch turbulenten Jahr Rückblick halten.

Ich würde sagen, 2008 ist bezüglich PISA und co. ein Jahr gewesen, in dem viel Schall und Rauch geblasen wurde, ansonsten aber nicht so recht viel passiert ist. Es schien mir, als hätte sich keiner getraut, mal auf den obligatorischen Tisch zu hauen und durchzugreifen. Stattdessen feierte eine halbherzige Reform nach der anderen ihren Einzug, bevor sie manches Mal nur wenige Monate später den großen Politikern wieder wie ein geprügelter Hund zurück unter den Teppich krabbelte, wo sie diskret, aber beherzt, verschämt wieder ins Abseits gekehrt wurde.

Und geredet wurde. Hitzig diskutiert, wild herum gestikuliert und Vorwürfe verteilt wie Flugblätter auf einer wütenden Demonstration. Die Schuld wurde herum gereicht wie ein salzig schmeckender Kuchen, von dem keiner naschen wollte. Und niemand hat sich bereit erklärt, auch nur ein bisschen Verantwortung zu übernehmen, für das, was in Deutschland passiert.
Zuerst kamen die wüsten Kopfnoten, von denen immer noch niemand so recht weiß, was man mit diesen Schandflecken nun anstellen soll. Dass es Schandflecken sind, darüber sind sich mittlerweile beinahe alle einig (ich plädiere ja gemeinhin dafür, Noten gänzlich abzuschaffen), nur loswerden kann man sie jetzt so einfach auch nicht mehr.
Gleich darauf wurde heftig dabattiert, wie lange ein junger Mensch das Gymnasium besuchen soll. Eltern waren empört über die Verkürzung der Schulzeit, haben die armen Häschen nun keine Zeit mehr, ihren Hobbys (wie dem Computer spielen, Fernsehen gucken, ein paar Drogen einschmeißen oder sich zu prügeln – hallo Klischee 😉 ) zu fröhnen, Freunde zu treffen und sich zu ,,entwickeln“, wie es so schön hieß. Dass das Blödsinn ist, werde ich jetzt nicht mehr erläutern, darüber habe ich schon mehrfach in diesem Blog geschrieben.

Und wo wir gerade beim Gymnasium sind, auch das Zentralabitur stand wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bei dieser Reform wurde nämlich beherzt geschlampt. Sprich, etliche Schüler mussten zu Nachprüfungen antreten, es wurde wieder viel diskutiert und mal ehrlich: verbessert hat sich die Hochschulreife nicht wirklich. Im Gegenteil. Lehrer sind verunsichert, währenddessen Schüler sich unter Druck gesetzt fühlen. Was bin ich froh, dass ich noch zu ,,normalen“ Prüfungen zugelassen wurde!

Und noch etwas zum Thema oberste Bildungsschicht: Abiturienten haben nämlich keinen Bock mehr. Dass die Studienzeit die beste des Lebens sein soll, hat sich jetzt auch im letzten hinterwäldischen Kaff relativiert. Studenten sind abgehetzt, überarbeitet und müssen nun alles schneller und kompakter lernen. Dass es nicht ganz so schlimm ist, wie es sich anhört, interessiert die frischen Abiturienten nicht. Sie sind schon in Angst und Schrecken versetzt und vertrauen lieber auf die gute alte Ausbildung. Und das, wo Fachkräfte in Deutschland ohnehin schon Mangelware ist!

Zwischendurch gondelte dann auch noch Angela Merkel durch Deutschland, um sich die Situation mal von innen anzusehen. Wie sehr ich diese Frau auch als Politikerin schätze und achte, so sinnlos befand ich diese Bildungsreise. Denn bei einem derart wichtigen Besuch ist doch klar, dass die Schulen sich besonders heraus putzen. Sie zeigten sich also von der besten Seite – und die vermodernden Schulbücher wurden schnell auf den Dachboden verbannt, währenddessen Blümchengedecke auf den Fensterbänken thronten.
Und wirklich etwas passiert ist ja bisher auch nichts.

Kommen wir zum nächsten Punkt. Dem Skandal schlechthin, der zumindest mich ziemlich aufgeregt hat. Der Abschluss der Eltern entscheidet oft über die schulische Ausbildung des Kindes. So würden wohl Grundschüler, deren Eltern Akademiker sind, öfter eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen als andere Kinder. Auch hierüber hatte ich berichtet und mich sehr in Rage geredet.

Und um das Jahr rund abzuschließen, gingen die Schüler Deutschlands im November auf die Straßen, um gegen die furchtbaren Zustände an ihren Schulen zu demonstrieren. Marode Schulbücher, kaputte Möbeleinrichtungen. Der Fundus unserer Schulen lässt sehr zu wünschen übrig. Die Demonstration war eine heftige Aktion – viel Wirbel wurde gemacht, sogar gewalttätige Ausschreitungen hat es gegeben. Und, ironischerweise, schien die Politik ein Herz zu haben. Globale Finanzkrise, wackelige Wirtschaftssituation, allgemeine Rezession – hm, naja, was solls, investieren wir mal ein Millionenpaket für die Bildung. Mehr als 100. 000 Euro für jede Schule. Einfach so. Ganz urplötzlich. Um die Wirtschaft anzukurbeln. Mit Pauken und Trompeten geht´s also melodramatisch ins neue Jahr. Wenn das mal nicht ein gewagter Rutsch ist…

…ich bin gespannt auf 2009. In diesem Sinne: Prosit Neujahr! 😉

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.