Ausbildung für Lehrkräfte

Sind Lehrer in sozialpädagogischer Hinsicht wirklich ausreichend geschult und ausgebildet?

Ich hatte in diesem Zusammenhang ja einmal ein brisantes Schlüsselerlebnis. Zugegebenermaßen war ich mit fünfzehn nicht wirklich einfach: Ich war laut, eher bockig, gerne der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, besonders faul, aber eben auch lebensfroh und optimistisch. Nicht zu vergessen: frech. Besonders Probleme hatte ich mit meiner damaligen Mathematik-Lehrerin, die verzweifelt versuchte, meine nummerischen Defizite aufzulösen. Ich dagegen wehrte mich natürlich verhement dagegen, kritzelte weiter lieber Strichmännchen anstatt ordentlicher Gleichungen. Sie biss sich an mir die Zähne aus.
Da hatten wir einmal Vertretungsunterricht mit ihrem Mann, der doch postwendend auf mich zukam, mir über den Mund fuhr und böse blitzend meinte: ,,Ich weiß ja, dass du nicht mit Menschen umgehen kannst, aber bei mir hältst du gefälligst deine Klappe!“ – Ohne, dass ich irgendetwas gesagt oder getan hätte.

Dazu muss ich sagen, dass ich eigentlich recht viel von meiner Mathe-Lehrerin gehalten habe – ich mochte sie, nur eben nicht das Fach, welches sie unterrichtete. Nur von diesem Tag an wurde ich misstrauisch. Und auch heute macht mich dieses Erlebnis recht nachdenklich. Ich war fünfzehn – ein schwieriges Alter also, in dem der Jugendliche inmitten der schlimmsten Pupertätskrise steckt. Gerade das erfordert viel Einfühlungsvermögen, oftmals Strenge und insbesondere bei Lehrern eine gute, fundierte sozialpädagogische Ausbildung. Es reicht doch nicht, allein zu wissen, in welchem Jahr der erste Weltkrieg stattgefunden hat – eine Geschichtslehrerin muss doch auch wissen, was das für Wesen sind, denen sie etwas beibringen möchte. Wie auch sonst soll das Ganze funktionieren, wie soll man jemanden etwas lehren können, wenn der gar nicht weiß, in was für eine Welt sein Gegenüber lebt?

Und war das wirklich eine intelligente, pädagogisch wertvolle Art und Weise des Lehrers, so auf mich zuzugehen? Ich kann ja durchaus nachvollziehen, dass ich kein einfacher Teenager gewesen bin – aber dass dieser Mann eine mittelschwere Lebenskrise bei mir ausgelöst hat, war ihm wahrscheinlich nicht klar. Ich für meinen Teil definierte mein Selbstbewusstsein nämlich ausschließlich mit der Tatsache, dass ich gerne für andere da war. Und dass andere es zu schätzen wussten, dass ich immer ein offenes Ohr und immer eine gute Idee parat hatte. Und genau das stellte der Kerl da mit seiner wütenden, achtlos in den Raum geworfenen Bemerkung in Frage.

Ich möchte jetzt nicht nachhaltige Rachegelüste befriedigen ;-), sondern ich frage mich des Öfteren einfach nur, inwiefern unsere Lehrer eigentlich ausgebildet sind. Und inwieweit sie auf unsere Sprösslinge eingehen können. Weiß jeder Lehrer, wie er mit einem ADS-Betroffenen umzugehen hat? Weiß ein Lehrer um die eigenwillige, oftmals auch gefährliche Gruppendynamik in einer Klasse? Ich habe es auch schon erlebt, dass eine Lehrerin weinend aus dem Klassenzimmer gerannt ist – einfach, weil sie die Gruppe nicht ertrug.
Auch möchte ich hier keinesfalls unsere Lehrer an den Pranger stellen, aber ich finde es einfach unwahrscheinlich wichtig, dass diese Menschen sich klar machen, dass sie einen wichtigen, extremen Einfluss auf die Kinder/Jugendliche haben. Dass sie sie beeinflussen – für das ganze spätere Leben!

Natürlich weiß das ein jeder Lehrer. Aber weiß er das auch in einem unachtsamen Moment?
Ein Lehrer hat zu jedem einzelnen Schüler eine ganz bestimmte Beziehung – er ist ja auch nur ein Mensch. Und genau das macht es oftmals so problematisch, wirklich professionell zu bleiben, wenn einem wirklich etwas sprichwörtlich ,,auf den Sack“ geht.
Daher werfe ich nur ganz vorsichtig meine Meinung in den Raum, dass ich besonders den sozialpädagogischen Aspekt der Lehrerausbildung wichtig finde. Und dass diese besonders fundiert sein muss.

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